Kalter Kaffee? Warum das Argument „Kolonialismus“ nicht bloss eine Ausrede fuer Armut heute ist

Fragt ihr euch das nicht auch manchmal: Warum ist Afrika ressourcenreich und arm?

Oft hoert man: Es wird zu wenig verarbeitet. Rohstoffe werden billig nach Weltmarktpreisen exportiert, verarbeitete Produkte teuer importiert.

Dass die Arbeitskraft in Nord und Sued, die dahinter steckt, verschieden gewichtet wird, wird meist ausgeblendet.

Dass viele der aermsten Laender ausgrechnet franzoesische Kolonien waren, ebenfalls. Ich muss gestehen, dass ich selbst von „France-Afrique“ erst hier in Kamerun erfahren habe, wo man allgemein der Auffassung ist, dass natuerlich Frankreich weiterhin die Zuegel in der Hand habe, „Demokratie“ hin oder her. Politische (Schein-)-Unabhaengigkeit ist eben keine wirtschaftliche Unabhaengigkeit, sind doch Besitzverhaeltnisse und Handelsvertraege oft geblieben, sind es doch die franzoesischen und andere internationale Konzerne, die auf Plantagen oder Bohrinseln Gewinne betreiben. Und kaufbare Regierungschefs sahnen dabei mit ab und haben dementsprechend wenig Interesse, etwas zu aendern. „Gewaehlt“ werden sie sowieso, das laesst sich einrichten.

France Afrique
France Afrique (Cameroonvoice.org 14.6.2018 (klick)

Der ehemalige Finanzminister und Parlamentspraesident der Elfenbeinküste Mamadou Koulibaly nennt die „Entwicklungshilfe“ die neue Form der Ausbetung, wobei der Westen so tue, als würde er Afrika großzügig mit Milliardenzahlungen an Hilfsgeldern überschütten. „Aber in Wahrheit ist das alles Augenwischerei. Dadurch, dass wir unter Weltmarktpreisen nach Frankreich exportieren, verlieren wir weit mehr als wir zurückbekommen.“1

Franc CFA
Der Franc CFA (Le Point Afrique 26.10.2018)

Was bei Reisen erst einmal erfreut: Es gibt eine Einheitswaehrung, ja, so etwas wie den Euro in den ehemalig franzoesischen Kolonien Afrikas, oder? Der Franc CFA, eine an den Euro, fruher an den franzoesischen Franc gekoppelte Waehrung wird von 150.000 Menschen in afrikanischen Laendern genutzt. Stabilitaet soll dies garantieren und damit Entwicklung, oder?

Der Franc der „Colonies francaises d’afrique“ hat zwar seinen Namen geaendert, wiegt jedoch weiterhin als schweres koloniales Erbe:

arte
(Mit offenen Karten 13.8.2018)

Sehr empfehlenswert: Mit offenen Karten ueber den Franc CFA (klick)

Der Deutschlandfunk berichtet am 20.12.2018 (klick): „Kolonialismus – ein Fehler der Vergangenheit? In West- und Zentralafrika setzt Frankreich die Ausbeutung seiner ehemaligen Kolonien fort – unter anderem über eine Währung, die alte Machtverhältnisse zementiert und die wirtschaftliche Entwicklung blockiert. Die Folgen: Armut, Konflikte und Migration.“

Die feste Bindung an den Euro erzeuge nicht nur eine Dynamik, gegen die es fast unmöglich ist, eine florierende Industrie aufzubauen, sie bedeute auch, dass die CFA-Staaten immer mehr importieren als sie exportieren, sagt der Ökonom Ndongo Semba Sylla: „Seit den sechziger Jahren hatten wir nie eine ausgeglichene Auslandshandelsbilanz. Wir sind immer in einem Außenhandelsdefizit. Dadurch sind wir immer in einer Situation, in der wir Schulden machen.“ Zum Ausgleich müssen die CFA-Staaten jedes Jahr Milliarden allein an Zinsen nach Europa überweisen.

Seit einiger Zeit spielen Statschefs westafrikanischer Staaten mit dem Gedanken auszusteigen und ihre eigene Waehrung zu gruenden, 2020 vielleicht schon? (klick)

Ob das klappen wird? Ob Frankreich das zulassen wird? Kann der Ausstieg wirklich die Abhaengigkeit reduzieren und fuehrt das tatsaechlich zu einer Reduktion von Armut und Konflikten?

 

 

Quellen:

0 Arte 13.8.2018 (klick): Mit offenen Karten – Der CFA Franc, ein koloniales Erbe

1 Deutschlandfunk 20.12.2018 (klick): Der Westafrikanische Franc. Frankreich und der unsichtbare Kolonialismus

2 France24 23.02.2018 (klick): Monnaie commune dans la Cédéao : „le processus n’en est qu’à ses balbutiements“

3 Frank Bahina 26.12.2018 (klick): Monnaie: L’Afrique de l’Oest tourne le dos au Franc CFA

 

Bilder:

Cameroonvoice.org 14.6.2018 (klick) : „Quand la France respectera l’Afrique…“

Le Point Afrique 26.10.2018 (klick): Cedeao : le long chemin vers la monnaie unique

 


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